Sonntag, 12. April 2015

Ushuaia - Falkland Islands - South Georgia

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Ushuaia – Falkland  Inseln –


South Ge0rgia
 
 Am Südpol, denkt man, ist es heiß, ganz falsch gedacht: nur Schnee und Eis! …
 
Diese Aussage von Elke Heidenreich wollen wir überprüfen und da fangen wir doch gleich wieder mit dem Spruch von Kirstens Vater an: Und jetzt geht die Reise los! Diesmal zum 6. Erdteil, dem gefrorenen Kontinent Antarctica mit 13,2 Millionen qkm, der durch Eisbildung im Winter zur doppelten Fläche wächst.

Aber zunächst ein Überblick über die Stationen der Reise.

Hamburg - Frankfurt - Buenos Aires - Ushuaia
Abflug: 17.01.2015

Falkland Islands
  * New Island
  * Westpoint
  * Stanley (Hauptstadt)

South Georgia
  * Salisbury Plain
  * Prion Island
  * Stromness
  * Grytviken (Hauptstadt)
  * Gold Harbour
  * Cooper Bay

South Shetland Islands
  * Elephant Island - Point Wild

Antarctic Peninsula
  * Brown Bluff
  * Hope Bay
  * Peterman
  * Vernadsky Station (südlichster Punkt unserer Reise)
  * Paradise Bay
  * Neko Harbour
  * Curverville
  * Deception Island
 


Ushuaia - Buenos Aires - Frankfurt - Hamburg

Ankunft: 11.02.2015

Und nun zu unserm Reisebericht.
 

17 Uhr ab Hamburg mit Lufthansa Boeing 319 nach Frankfurt. 3 Stunden Aufenthalt und weiter geht’s mit einer Boeing 747-8 in 13,5 Stunden nach Buenos Aires. Die Reihe 45 hat Backbord und Steuerbord nur 2 Sitze und damit angenehm viel Platz in der Economy-Klasse. Unterbrochen von Abendessen und Frühstück bekomme ich sogar ein paar Stunden Schlaf dank mitgebrachter Pille. Kirsten hat wie immer keine Probleme, einsteigen, Augen zu und zum Essen wecken lassen. Der Nachbar gegenüber verputzt alles, was wir übriglassen: Brötchen, Butter, Käse, Kuchen. „Thank you“ sagt er erfreut gleich mehrere Male hintereinander. Trotzdem sind wir beide froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Das Taxi zum City Tower Hotel kostet die ersten unserer mitgebrachten 1000 US-Dollarnoten. Gleich 50 davon. Sicher zu teuer, aber der Weg vom Airport ist immerhin fast 25 Minuten lang und unser Zimmer ist um 10Uhr morgens schon bezugsfertig. Auf den Rat des Rezeptionisten wandern wir kurz danach über den nicht enden wollenden Flohmarkt in der Calle Defensa gleich nebenan. Toll, aber die Koffer sind voll!!!






Zurück geht’s entlang der Hafenpromenade mit Pipipause beim Italiener „Fredy“. Die Pause hätten wir nicht einlegen sollen, denn die Zeit fehlt auf dem Weg zurück zum Hotel. Ein Wolkenbruch geht auf uns nieder, wie die Flohmarkt-Zeile, nicht enden wollend!  Klatschnaß bis auf die Unterwäsche kommen wir wieder im Hotel an. Puh! Erstmal eine Flasche Chardonney beim Zimmerservice bestellen – dann sehen wir weiter. Nach heißer Dusche und Einsatz unseres Hotelföns als Ersatztrockner sieht die Welt auch schon wieder rosiger aus. Wenn wir morgen den Stromverbrauch vom Zimmerpreis abziehen, war die Übernachtung für das Hotel wohl nicht sonderlich profitabel.
Der Morgen des 19. Januar ist um 4 Uhr zu Ende, wir haben den Weckdienst bestellt. Auf Rat unseres Reisebürofachmannes Julian wollen wir nicht in die Rushhour kommen. Kein Risiko, die “Silver Explorer“ wird nicht auf die Germans warten. Schnell ein trockenes Croissant und ein Café con leche, weil das Frühstücksrestaurant erst um 7 Uhr morgens aufmacht. Ist ja fast wie früher vorm Büroanfang, nur ersetzte da noch eine Zigarette das Croissant. Dann bringt uns ein Taxi ohne Staufalle zum nationalen Airport, wo der Kaffee mit 5 US$ genauso teuer ist wie zu Hause. Hätten wir das gewußt, hätten wir ausgeschlafen und erst recht, als das nächste Unwetter über Buenos Aires hereinbricht, der Flieger nicht betankt werden kann und wir noch zwei Stunden – davon eine schon in unserm Airbus 320 der argentinischen Fluggesellschaft LAN – auf unseren Abflug nach Ushuaia warten müssen. “ Bitte nicht anschnallen“ sagt der Pilot, „falls ein Feuer durch Blitzschlag an Bord ausbricht“! Na, Prost Mahlzeit. Wenigstens sitzen wir in der allerletzten Reihe, gleich neben dem „Exit“. Es gießt wie gestern aus Eimern und am Horizont zucken die Blitze. Kirsten hat schon wieder die Augen zu – ich nicht. Um 10.45 kommt endlich Leben in den Airbus, der Tanklastzug ist weg und es geht los. Ziemlich holprige Wegstrecke, zuerst durch undurchsichtiges Gewaber, dann erfreuen uns blaue Löcher in der Wolkendecke und schließlich ein atemberaubender Blick auf schneegetupfte Gebirgsketten mit grünbemoosten Hängen und glitzernden Bächen. Menschenleer. Das ändert sich erst nach der Landung in Ushuaia. Immerhin 60.000 Einwohner zählt die südlichste Stadt der Welt.
Im Hafen wartet die „Silver Explorer“ neben ein paar anderen Explorerschiffen und einigen Frachtern, stark vertreten sind Container der „Hamburg-Süd“, Franks früherer Reederei.

 
Mit 121 Passagieren und 117 Crewmitgliedern geht es nach kurzer Sicherheitseinweisung auch schon los in den Beagle-Kanal. Ein komfortables Schiff und wir genießen von Anfang an ein Verwöhnprogramm mit Cocktails an Deck, wunderbarem Essen und netten Tischnachbarn.
In unserer geräumigen Suite sind dann die Schränke bald eingeräumt. Ein warmer, wasserdichter Anorak, lange Gummistiefel und einen leichten Rucksack hat unser Reiseveranstalter zur Verfügung gestellt und ist von unserem „personal butler“ in die Kabine gebracht worden. Diese Sachen hätten wohl auch die Kapazität unserer Koffer gesprengt.

 

Die Schiffsbewegungen sind trotz moderatem Wind schon ganz schön heftig und wir fallen vom anstrengenden Tag geschafft müde in unsere Koje.  Zwei Seetage bis zu den Falklandinseln liegen vor uns.
Bei der Crew sind alle Nationalitäten vertreten, von Kapstadt bis Kanada. Der Kapitän ist Pole, die erste Offizierin stammt aus der Schweiz, der Doktor aus Rumänien  und alle sind überzeugte Antarktisfans. Wir haben Glück, daß auf dem Schiff auch etliche deutschsprechende Passagiere sind und bei den Botanikern, Ornithologen, Historikern etc. desgleichen. So bekommen wir unsere eigenen Vorträge in deutscher Sprache, sehr engagiert und voller Enthusiasmus, wir sind total begeistert.
Meine persönliche „Florence Nightingale“ hatte mir gestern noch ein Pflaster gegen die Seekrankheit hinter’s Ohr geklebt, nur so vorsichtshalber, aber mir machen die Nebenwirkungen zu schaffen. Außerdem schmecken mir weder Frühstück noch Mittagessen, so ziehe ich das teure Ding wieder ab und es geht mir besser. Uli, ein 50jähriger Biologe, erzählt uns alles über die uns inzwischen begleitenden Seevögel, die Schwarzbrauen-Albatrosse, Sturmvögel, Seeschwalben und co.
Petrus kann auch Superwetter, 10°C, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel. Gut eingecremt sonnen wir uns eine Stunde auf dem Promenadendeck. Dienstbare Geister bieten uns Kaffee, Softdrinks und Getränke, was immer unser Herz begehrt. 

 
Irgendwann werden wir uns auch einmal in die Whirlpools setzen, die mit warmem Wasser neben den Liegen locken.

Abends gibt’s schon wieder eine Cocktailstunde, der Captain stellt seine Mannschaft vor und anschließend findet das Welcome-Dinner statt.



 
Eigentlich in elegant-sportlicher Garderobe. Leider   habe ich meine schwarze Tuchhose vergessen, so bleibt’s bei unten sportlich in Jeans und oben etwas eleganter mit weißem Pullover und rotem Chiffonschal. Wir sind dann nicht die einzigen, etwas under-dressed, stellen wir erleichtert fest. Unsere Empfangschefin Anna platziert uns jeden Tag an einem anderen Tisch, so lernen wir viele unserer Mitreisenden kennen. Das erste ist ja immer die Frage: Where are you from? So saßen wir schon neben Paaren aus Oregon, Kanada, Kalifornien, England, Australien, der Schweiz usw. Uns gefällt das System.
Morgens am 21. müssen wir um 6 Uhr aus den Federn, weil wir vor unserer ersten Anlandung auf der Falklandinsel „New Island“ noch ausgiebig frühstücken wollen.
Dann geht’s zum ersten Mal in die Zodiacs, die stabilen hochmotorisierten Gummiboote. Das erfordert etwas Übung, aber starke Arme helfen. Diese Insel ist eine von ca. 420 Inseln, auf der ein paar der insgesamt 3000 Menschen wohnen. 80% wohnen auf der Ost-Halbinsel in der Hauptstadt Stanley. Hier sind die meisten Bewohner Pinguine, Albatrosse und Sturmvögel. Riesige Kolonien, an die wir bis auf ein paar Schritte herankommen. Wir werden nicht satt, uns an den putzigen Felsenpinguinen zu erfreuen und die Flugmanöver der großen Schwarzbrauen-Albatrosse zu bewundern.








 





 



Man kann Stunden zubringen, aber das Schiff wartet, um uns heute Nachmittag auf die nächste Insel namens Westpoint zu bringen. Dazwischen wartet  ein leckeres Mittagessen,  von der deutschen Chefköchin Pia kreiert (die übrigens stammt aus Mülheim a.d.R, wo Kirsten aufgewachsen ist. Ihr Vater hat dort ein Restaurant namens „369“ und wir sind dort eingeladen, wenn wir von ihr Grüße überbringen). Auf Westpoint Island werden wir uns trotz sommerlicher Temperaturen wieder in Gummistiefel, Parka und wasserdichte Hosen schwingen, es könnte naß werden,  wenn wir aus dem Zodiac ins flache Wasser steigen müssen.
„20°C“, sagt Thies, der Pächter von Westpoint Island, “so warm haben wir es hier im Januar noch nie erlebt“. Thies ist ein Flensburger Jung und hat mit seiner Frau Kiki auf einem 30 Fuß-Holzboot die Welt umsegelt. Hier auf den Falklands sind sie hängengeblieben und fühlen sich mit dem einfachen, aber arbeitsträchtigen Leben sehr glücklich. Nicht nur für das Land, auch für mehrere Kühe und 800 Schafe sind sie zuständig, dazu füttern sie die vorbeikommenden Touristen wie uns, die wegen der großen Felsen-Pinguin- und Schwarzbrauen-Albatross-Kolonien hier anlanden und sich in den klobigen Gummistiefeln durch Matsch und Sand und über Hügel und unwegsame Pfade durch mannshohes Gras quälen,  mit einem riesigen, wunderbaren Kuchenbuffet. Ein  Paradies, in dem wir fast ohne alle technischen Errungenschaften nicht leben könnten, aber das wir für ein paar Stunden in ihrem liebevollen angelegten kleinen Garten sehr genießen . Allein das war der Besuch dieser kleinen Insel wert. Ihr Haustier ist kein Hund sondern eine kleine zutrauliche Amsel namens Twitty.






Wir schreiben noch einen netten Dankesspruch in ihr Gästealbum, dann bringt uns unser Zodiac-Zubringerboot zurück auf unser komfortables schwimmendes Zuhause. Hier spülen wir die Anstrengung des Tages mit einer heißen Dusche und einer kalten Weinschorle weg. Unterwegs

Vor uns liegt knapp ein Tag Seefahrt zur östlichen Falklandinsel, auf der auch die Hauptstadt der Falklands „Stanley“ liegt. Hier leben ca. 2400 der etwa 3000 Inselbewohner. Das Wetter hält und hält, aber wir sollen nicht übermütig werden,  wird uns von unseren Experten gesagt. Das kann sich von jetzt auf gleich ändern. Geändert hat sich schon der Wind, es brist auf bis auf Sturmstärke. Bei der Fahrt an Land bekommt der eine oder  andere ohne Schutzkleidung schon mal eine unwillkommene Dusche. Auf der Pier hat es sich gerade ein Seelöwe gemütlich gemacht. Extra für uns zur Begrüßung in Stanley. Sehr nett.  Im Rundfahrtbus ist es dann wieder warm und windstill, aber vor allem lustig. Unser Falklandguide ist ein typischer Engländer mit dem ihnen eigenen britischen Humor. Dann bummeln wir noch bei strahlendem Sonnenschein über die einzige Hauptstraße des 2400-Seelen-Ortes, besichtigen die alte Kirche mit den Blauwalkieferknochen davor, lesen die Gedenktafeln aus dem Falklandkrieg 1982, gönnen uns ein paar Souvenirs und schreiben die ersten Ansichtskarten mit Pinguin-Briefmarken. Geschäfte, Postämter und Kneipen wird es jetzt lange nicht mehr geben. Aber das alles wird uns nicht fehlen, versprechen uns alle, die wissen, was jetzt noch vor uns liegt.








Unser nächstes Ziel ist South Georgia, wo über 30 Vogelarten brüten. Wir sind voller Erwartung.
Vor uns liegen zwei volle Seetage mit Wind im Wesentlichen von Achtern, d.h. unser Schiff rollt trotz Stabilisatoren so heftig, dass die Crew wieder einmal jede Menge Spucktüten hinter die Handläufe geklemmt hat.  Das Wetter ändert sich. Es wird zunehmend kälter, der Wind bläst stärker und die Luftfeuchtigkeit beträgt inzwischen über 90%.
Langweilig wird es während dieser zwei  Seetage nicht.  Unsere Biologen, Ornithologen, Historiker, etc.  halten kurzweilige Diavorträge über die Vogelwelt, die Pinguine, Seelöwen, und wir lernen das Leben des bewundernswerten  Sir Ernest Shackelton kennen. Die Insel South Georgia,  die von Scott in Besitz genommen wurde, hat übrigens ihren Namen nach König Georg dem III. erhalten.  Auf dem Weg nach New Georgia passieren wir in gut 1 km Abstand ein riesiges Eisplateau mit so großer Ausdehnung, dass  wir es mit unserm Weitwinkel nicht als Ganzes fotografieren können. Auch den Shag-Rocks mit den Brutplätzen einer großen Kormoran-Kolonie kommen wir sehr nahe, Schwärme von Kormoranen umfliegen unser Schiff.
 
Sonntag, der 25. Januar 2015 begrüßt uns neblig, naß und ungemütlich kalt. Egal, es geht los. Gleich nach dem Frühstück zur großen Königspinguin-Kolonie in Salisbury Plain auf South Georgia. Königspinguine sind die zweitgrößten ihrer Art mit ca. 90 cm.  Es sind unglaubliche 150.000 Stück aller Altersklassen, von Babies über Halbstarke bis zu ausgewachsenen Mamas und Papas.
 







 
 



Und alle vertragen sich mit den Seeelefanten und Pelzrobben, die ebenfalls hier ihr Revier haben. Wie zutraulich sie sind und wie nah sie uns heranlassen, kann man kaum glauben.
Ein kleines Robbenbaby schnuppert sogar an meiner Gummihose.
Robben und Pinguine haben auf dem Festland bzw. auf den Inseln keine natürlichen Feinde. Deshalb fürchten sie auch uns nicht. Im Wasser sieht es anders aus. Dort müssen sie Orkas und Seeleoparden – auch eine Robbenart – fürchten.





Alles möchte man fotografieren, aber das ist nicht ganz ungefährlich. Nicht wegen der Tiere, sondern wegen des matschigen, löchrigen und manchmal steinigen Untergrunds. Übrigens:  Pinguine und Co. haben absolute Vorfahrt. Egal, ob sie von links oder rechts kommen. Die Natur ist überwältigend und als auch noch die Sonne sich langsam durchkämpft, leuchten die Gletscher, die sich von den nur mit Tussockgras bewachsenen Hänge der Berge schieben und das Wasser färbt sich fast türkisblau.  Auch der nächste Ausflug auf Prion Island, das auch zu Süd Georgien gehört, ist wunderschön. Etliche der hier lebenden 6000 Eselspinguine und Seebären begrüßen uns neugierig am Ufer.
180 Stufen können wir auf einem bequemen Holzsteg nach oben auf eine Aussichtsplattform steigen, da haben es die links und rechts im Tussockgras liegenden Robben erheblich beschwerlicher nach oben zu kraxeln. Einige Schlauberger finden allerdings, die Stege sind auch für Seebären da und robben langsam vor uns her.

Von oben hat man einen tollen Überblick über die brütenden Wanderalbatrosse (beeindruckende 3,50 m Flügelspannweite), deren Junge 10 Monate brauchen, um flügge zu werden, über die in einer Talsenke versammelten Eselspinguine und die aus den Grasbüscheln immer wieder neugierig die Hälse reckenden großen und kleinen Robben. Wanderalbatrosse halten sich 6 – 10 Jahre nur auf dem Meer auf, bevor sie sich an Land einen Partner für’s ganze Leben suchen, das schon mal 60 Jahre währen kann. Die großen Sturmvögel haben  die Arbeit der hier nicht vorkommenden Aasgeier übernommen. Sie beseitigen die herumliegenden Kadaver der Robben und Pelikane.
Die Fahrt zurück mit den Zodiac-Booten ist immer eine nasse Angelegenheit, besonders, wenn man ganz vorne platziert ist. Ich bekomme das gleich zweimal zu spüren und muß meinen eigentlich als wasserdicht versprochenen Rucksack trocknen lassen.
Heute am Montag verliert die Sonne den Kampf gegen die tief hängenden Wolken, die die Berggipfel verhüllen. Uns macht das gar nichts, wir genießen ein Bad im warmen Whirlpool an Deck und den Saunagang danach.
Was für ein Luxus in dieser abgeschiedenen Welt. Die ersten Eisbrocken treiben um das Schiff und wir fahren auf dem ruhigen Wasser in der geschützten Bucht nach Grytviken, der großen Walfangstation, die hier vor hundert Jahren von einem Norweger namens Larsen errichtet wurde.


Neben der aufgegebenen Fabrik-Anlage gibt es noch ein kleines Museum, eine schlichte hübsche Kirche und eine Poststelle, bei deren Briefmarkenauswahl jedes Sammlerherz höher schlagen muß.


Wir denken nur an unseren Freund Klaus in Sao Paulo, der eine Riesensammlung sein eigen nennt und erstehen eine Ersttagsausgabe von Entdeckerschiffen und Wracks für ihn. Eine junge Frau führt uns durch die verlassene Station und schildert anschaulich und sehr kompetent über Walfanggeschichte in dieser Bucht.
 
Ein kleines Robbenjunges gesellt sich in unsere Mitte und stiehlt ihr fast die Schau.

175.00 Wale hat man hier und in umliegenden Stationen gefangen, geschlachtet und von Öl, über Fleisch, über Knochenmehl alles aus ihnen hergestellt, bis die Walpopulation fast ausgerottet war und der Fang in der Antarktis ganz verboten wurde. Nur ganz allmählich erholen sich die Bestände. Was für ein hartes und gefährliches Leben die Walfänger hier führten, läßt sich aus den vielen Exponaten und Fotos im Museum ersehen. Viele der Leben dieser Männer endeten schon in den Zwanzigern.
Am Dienstag, den 27. Januar heißt es wieder früh aufstehen, um 9 Uhr Ausbooten und mit dem Boot rüber nach Gold Harbour. Strahlend blauer Himmel und ein traumhafter Blick auf die Berge mit türkis bis weiß leuchtenden Gletschern.


Dort landen wir am Strand neben einer Gruppe der mächtigsten Robben, den Seeelefanten, zu denen man immer einen Sicherheitsabstand halten solle. Sie können sehr schnell auf kurze Distanz werden, wenn sie sich gestört fühlen. Z.Zt. aber dösen sie alle friedlich in der Sonne, riesige dunkelbraune bis  hellbraune „Fleischberge“, und nur mit Glück bekommt man einen gereckten Kopf oder ein geöffnetes Maul vor die Linse.














Auch die halbstarken süßen Seebären versuchen sich wieder in Drohgebärden, wenn sie einem zeigen wollen: kommt uns ja nicht zu nah, wir haben auch schon Zähne!

 
Ansonsten tun sie, was alle kleinen Tiere tun, balgen sich untereinander und plantschen übermütig in den Schmelzwasserläufen am Strand.
 


Den größten Teil des Strandes aber besetzen Tausende von Königspinguinen, die wieder die tollsten Fotomotive liefern und wieder einmal beweisen diese vielen unterschiedlichen Tiere, dass man in Eintracht und Frieden miteinander leben kann.
 


 
 


Nur unsere kleinen Robbenfrechdachse werden mal mit einem Schnabelhieb zur Ordnung gerufen , wenn sie durch eine Gruppe ruhender Pinguine tollen. 
Auf dem Rückweg zum Schiff haben Wind und Schwell zugenommen und Niki, unsere Bootsführerin braucht zwei Anläufe, damit alle Insassen aus dem tanzenden Zodiac von zwei Crewmitgliedern auf das rettende Podest gehievt werden können.




Wir genießen noch einen Cappuccino auf dem Oberdeck in der Sonne vor dem wieder sehr leckeren Mittagessen und machen ein kurzes Nickerchen. Der Wind hat weiter zugenommen, damit natürlich auch der Schwell und so lassen wir die nachmittägliche Bootsrundfahrt durch die Bucht von Cooper Bay ausfallen und damit den Blick auf Esels-, Zügel- und angeblich nur hier anzuschauenden Goldschopf-Pinguine. Sie ähneln sehr den Felsenpinguinen und so können wir gut verzichten. Heute Abend geht es weiter Richtung Süden auf die antarktische Halbinsel zu. Zwei Seetage ohne Anlandungen liegen vor uns.