Antarktische
Halbinsel
Nachdem wir
gestern noch ein Highlight geboten bekamen, wir durchkreuzten den
Drygalski-Fjord mit spektakulärem Blick auf schneebedeckte Berge, hohe dunkle
zerklüftete Steilwände und breite Gletscher, ging es auf Südkurs aus dem
Südatlantik in die offene Scotia See. Die kleinen Eisbrocken sind inzwischen zu
langen hohen Eisbergen angewachsen, wie von Hand ausgeschnittene lange
Tafelberge. Das Meer wird etwas unruhiger und Kirsten besorgt mir
vorsichtshalber ein paar Tabletten gegen die Seekrankheit von der Rezeption,
aber sie bleiben gottseidank ungenutzt auf dem Nachtschrank liegen. Frühstück
gibt’s erst spät, „easy going“ heute. Ein Vortrag am Nachmittag, sehr
interessant über die zahlreichen Pinguinarten und ihr Leben und dann können wir
die Brücke besichtigen. Dabei lernen wir: unser Schiff ist 108m lang, 15,60m
breit, hat einen Tiefgang von 4,5m, ist in Finnland gebaut worden vor 25 Jahren
und hat 2 Stabilisatoren, 2 Finnen an jeder Seite von 2m Auslegung. Bei vorbeiziehenden
Eisschollen werden sie eingefahren.
Das Wetter
bleibt ziemlich diesig, wir haben 0°C und achterlichen Wind der Stärke 7 – 8
Bft. Aber das Schiff liegt relativ ruhig, so daß sogar eine Kochvorführung im
sogenannten Theater von unserer Küchenchefin Pia dort stattfindet. Sie bereitet
ein leckeres Thai Chicken Curry vor und dazu kredenzt uns Weinkellner und
–kenner Raj aus Indien einen passenden Riesling. Es ist auch ohne Landgang
immer sehr spannend an Bord. Nachmittags sehen wir uns Shackletons Antarktisabenteuerreise
an, eine mitreißende wahre Geschichte über den Überlebenskampf in dieser
unwirtlichen Gegend, der über 400 Tage dauerte. Unglaublich, beeindruckend und
bewegend diese Odyssee der 28 Männer und ihres Segelschiffes „Endurance“. Der
Vortrag von Uli Erfurth über Wasser, Pinguine, Eis und Schnee und viele
Meeresbewohner in der Tiefe des Ozeans später am Nachmittag ist auch wieder
sehr lehrreich und fesselnd.
Der Wind frischt weiter auf, bis
Windstärke 9 Bft., ganz schön heftig,
und er hält sich auch den ganzen Tag bis zum nächsten Morgen.
Um 7 Uhr am Freitag, den 30. Januar,
ankern wir in der Bucht Point Wild von Elephant Island. Sie gehört zu den
Südlichen Shetland-Inseln und hier hat auch Ernest Shackleton seine Männer
zurückgelassen, als er sich in einem 6m langen Beiboot mit weiteren 5 Männern
seiner Crew nach dem 750sm entfernten South Georgia aufmachte, um Hilfe zu
holen, nachdem die „Endurance“ vom Eis zerdrückt worden war. Die zurück
gelassenen Männer wurden später von dem Dampfschiff Yelcho gerettet. Dem
Kapitän der Yelcho wurde auf der Insel ein Denkmal gesetzt. Der Wind hat hier
zwar keine Chance, aber der noch stehende Schwell sorgt für „tanzende“ Zodiacs, in die wir nach dem Frühstück für
eine Bootstour zu den hier lebenden Zügelpinguinen jumpen müssen. Anlanden geht
hier nicht, aber die quirligen Bewohner kommen zu uns, springen ums Schiff und
ab und zu sieht auch der Kopf eines neugierigen Seebären aus dem Wasser. Wasser
leider auch von oben, das erschwert doch sehr das Fotografieren der Gletscher
und rauen Berge.
Weiter geht’s nach dem Mittagessen
Richtung Antarktische Halbinsel. Hier und da sieht man die Fontänen der Wale
und auch schon mal Rücken und Flossen. Der Wind nimmt wieder auf 8 Bft. zu und
die Sicht bleibt schlecht.
Aber es steht auch wieder ein
interessanter Vortrag mit Sven an. Wie haben sich die Tiere dem Leben in Eis,
Sturm und Kälte angepaßt? Mal sehen. Die Meister im Anpassen sind die Pinguine,
nehmen wir mit und obendrein sind sie auch die niedlichsten Spezies mit ihrem
Watschelgang und ihrem maßgeschneiderten Frack.
Für heute,
Samstag, den 31. Januar ist ein Zodiac-Ausflug nach Brown Bluff auf der
Antarktischen Halbinsel geplant mit Landgang und Gletscherspaziergang um 6.30
Uhr. Huh! Also früh zu Bett nach einem Absacker in der Bar. Der Wecker schrillt
um 5.30 Uhr und ein Blick auf den Monitor zeigt Wind in Sturmstärke: um 100km/h.
Das sind gute 10 Bft.
Windstärken
bis 8 Bft. erschrecken uns nach den Erfahrungen der letzten Tage schon gar
nicht mehr. Das wird wohl nix mit dem Ausflug an Land und kurz darauf kommt
auch die Absage über den Bordlautsprecher. Also schnell wieder unter die warme
Decke. Das nächste Angebot in der Hope
Bay, die Adelie-Pinguinkolonie vom Wasser aus zu betrachten, findet dann
zumindest für uns nicht statt. Es sieht schon von vornherein nach einer
ziemlich nassen Angelegenheit aus, obgleich die Sonne vom blauen Himmel
strahlt. Der Wind ist in Böen so stark, daß es Kirsten sogar auf dem Oberdeck
beim Fotografieren platt legt.
Wir
fotografieren heute mal andere Objekte als Pinguin und Co. Die vorbeijagenden
Wolken unter blauem Himmel sind sensationell und rundherum Gletscher!
Nachdem alle
Ausflügler dann naß aber heil zurück an Bord sind, wird der Anker gelichtet und
weiter geht es zum nächsten Abenteuer.
Nur als wir
morgens durch den malerischen Lemaire Kanal fahren, ist wieder Regen, Schnee
und Nebel vertreten, nur keine Sonne oder zumindest klare Sicht zum
Fotografieren der spektakulären Eisberge und bis zu 1000m hohen schneebedeckten
Berge. Ein paar Unentwegte, die sich
trotzdem an Deck begeben haben, sind
wenigstens mit dem Anblick etlicher Walgruppen belohnt worden. Na gut, die
werden wir auch noch zu sehen bekommen. Wenige Stunden später vor Peterman
Island sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und wir wandern bei
schönstem Sonnenschein auf den „Trails“ der Adelie- und Eselspinguine über die Schneefelder. Ja, diese Zwerge haben
richtige „Autobahnen“ bis auf die Hügel
angelegt, die sie täglich zweimal rauf und zweimal runter bewältigen, um im
Meer das Futter für sich und den ewig hungrigen Nachwuchs zu besorgen und um
sich zu säubern.
Nach dem in
den klobigen Gummistiefeln etwas mühsamen Aufstieg auf einen der Hügel werden wir mit dem Blick
auf eine Bucht mit Eisbergen in den herrlichsten Farben und Formen belohnt.
Die Adeliepinguine
und die Eselspinguine, die sich gegenseitig die Steinchen für ihre Nester
klauen, sind natürlich die beliebtesten Fotomotive.
Interessant
ist dann auch noch der Besuch der ukrainischen Vernadsky-Station, die die
Ukrainer vor ca. 20 Jahren den Engländern, die diese Station aufgeben wollten,
für 1 Pfund abgekauft haben. War für beide Seiten ein gutes Geschäft, die
Engländer mußten nicht das Abwracken bezahlen und die Ukrainer hatten eine
fertige Station. Z.Zt. leben 12 Wissenschaftler hier und haben einen
willkommenen Nebenerwerb mit selbstgemachten Holzarbeiten, Magneten, T-Shirts
etc. Leider gibt es nicht den versprochenen selbstgemachten Wodka, weil der
gerade etwas knapp geworden ist.
So halten
wir uns dann am Abend wieder an unsere erprobte Weinschorle, „Spriieetz“, wie
sie von unseren Kellnern genannt wird. Dazu grillen wir uns auf dem Achterdeck
ein leckeres Steak auf dem heißen Stein. Sehr beliebt, dieses Ereignis, wir
mußten uns rechtzeitig anmelden, um an einem der 4 Tische einen Platz zu
ergattern. Da sitzen wir nun in fröhlicher Runde, eingemummelt in warme
Kleidung mit Mütze, Schal und Wolldecke und genießen dieses absolute Highlight.
Hier war
jetzt unsere südlichste Station auf 65°14‘ Süd und 64°15‘15“ West, von nun an
geht’s wieder grobe Richtung Nord. Anker auf zurück durch den Lemaire Kanal,
vielleicht gibt’s jetzt noch ein paar gute Fotos. Nun ja, die Wale waren da,
nur fotografieren lassen wollten sie sich nicht unbedingt. Ein paar
Schnappschüsse haben wir aber dann doch geschafft.
Ich habe mir
eine dicke Erkältung eingefangen, die hat auch die „Spezialmedizin“ unseres
netten Barkeepers gestern Abend leider nicht im Keim ersticken können und ich
verbrauche über Nacht den gesamten Vorrat unserer Tissues in der Kabine. So
wage ich mich heute nicht auf den 90minütigen Zodiac-Ausflug in einer
wunderschönen Bucht mit dem passenden Namen „Paradise Bay“ bei wenig Wind und
glatter See. Da muß Kirsten Fotos
schießen und mich so teilhaben lassen.
Ich wandere
warm eingepackt ums Deck und freue mich an den eindrucksvollen schneebedeckten
Bergen rundherum und dem einen oder anderen Pinguin, der neugierig aus dem
Wasser lugt. Noch zwei Ausflüge gibt es heute in „Neko Harbour“, einen mit
Wanderung auf den Berg und einen kürzeren zu einer Pinguin-Kolonie. Nach
Rückkehr von ihrer Bootstour erzählt Kirsten, unterwegs gab es Sekt und
Schokolade von einem „Tender-Zodiac“. Netter Einfall!
Den
nachmittäglichen Ausflug zu den Eselspinguinen habe ich dann mit einem Paket
Tempo gut überstanden. Erstaunlich, wie schnell der große Vorrat davon schmilzt.
Unser Butler bringt also zusätzlich noch eine große Packung Tissues. Abends bei
unserem täglichen Meeting in der Oservation-Lounge kommt unser Biologe Uli gar
nicht dazu, seinen Vortrag zu beenden. Um das Schiff herum tauchen Wale auf,
gegen die hat er keine Chance. „Oh“ und „Ah“ und „hast Du DEN gesehen“! Überall
gucken die Buckel aus dem Wasser und tauchen die Schwanzflossen elegant in die
Fluten. Nur leider liegt der Fotoapparat in der Kabine! Vor dem Abendessen
kommt die nächste Überraschung der Silversea-Crew: ein Polar-Bad für Mutige!
Unter dem „Bravo“ und Applaus der nicht so Mutigen wagen sich wahrhaftig 10
Passagiere in Bikini und Badehose und zwei unserer Butler wie die Pinguine in
ihrer Dienstkleidung, dem Frack, gut
angeleint in das eisige Polarmeer. Raus kommen sie alle dann aber schneller als
sie reingesprungen sind und lassen sich gerne in die flauschigen Handtücher
einwickeln.
Das Wetter
wird schlechter, hat uns gestern Abend unsere
Expeditionsleiterin Kara mit der Windkarte von unserem Fahrtgebiet
zurück nach Ushuaia gezeigt. So wird das gute Wetter heute auf Cuverville
Island noch einmal für eine anstrengende Klettertour auf den schneebedeckten
Berg „nur von fitten Passagieren“ genutzt, immerhin 40 zähle ich rote
Silversea-Anoraks auf dem Pfad nach oben. Die restlichen – wie wir – nutzen
wieder „das Bad“ in der Pinguinmenge.
Stundenlang
kann man diese putzigen Tiere beobachten, wie sie von ihren Brutplätzen hoch
auf dem Berg in ihren hoch ausgetrampelten Schnee-Hohlwegen zweimal am Tag
runter zum Meer zum Säubern ihres Gefieders und zum Fressen und anschließend
den glitschigen Weg wieder zurück watscheln. Ihre bergsteigerischen Qualitäten
scheinen besser als die der einen oder anderen „Rotjacke“ heute. Eine muß von der Crew zurückgeführt
werden, weil „sie“ nicht mehr auf den Berg, aber allein auch nicht mehr
runterkommt. Irgendwann sind dann alle
heil zurück an Bord und weiter geht’s, jetzt zurück nach Ushuaia, wo wir am 20.
Januar gestartet sind.
Nur ein
Stopp ist geplant auf Deception Island, einem immer noch aktiven Berg
vulkanischen Ursprungs. In der Bransfieldstraße merken wir den Wind nicht, der
immerhin schon mit 8 Bft. unterwegs ist. Wir sind durch die Inselwelt der South
Shetlands geschützt. So können wir uns warm eingepackt an Deck begeben, um die
vielen, vielen Wale zu beobachten, die es zu unserer Freude hier wieder gibt.
Die Einfahrt in den 180m tiefen Krater von Deception Island ist eng, nur etwa
500m breit und zudem liegt ein unsichtbarer Felsen irgendwo in der Mitte, aber
unser erfahrener Kapitän bringt uns und sein Schiff ohne Schaden herein und
auch wieder heraus.
Nur ein
Stopp ist geplant auf Deception Island, einem immer noch aktiven Berg
vulkanischen Ursprungs. In der Bransfieldstraße merken wir den Wind nicht, der
immerhin schon mit 8 Bft. unterwegs ist. Wir sind durch die Inselwelt der South
Shetlands geschützt. So können wir uns warm eingepackt an Deck begeben, um die
vielen, vielen Wale zu beobachten, die es zu unserer Freude hier wieder gibt.
Die Einfahrt in den 180m tiefen Krater von Deception Island ist eng, nur etwa
500m breit und zudem liegt ein unsichtbarer Felsen irgendwo in der Mitte, aber
unser erfahrener Kapitän bringt uns und sein Schiff ohne Schaden herein und
auch wieder heraus.
Nach dem
Abstecher gibt unser Käptn Gas, im Westen steht eine Unwetterfront und der
wollen wir davonlaufen. So bleibt es bei 2 Seetagen mit 8 Bft. fast gegenan,
also nach unseren Erfahrungen hier unten nichts Schlimmes!!! Wie immer hängen
allerdings vorsorglich die Spucktüten wie Schmuckfähnchen an den Handläufen der
langen Schiffsflure. Man sieht nicht, daß sie weniger werden, aber die Zahl der
Teilnehmer an den Mahlzeiten in der Messe nimmt auffällig ab.
Über die
Drakestraße, die zum Südpolarmeer gehört, kommen wir dann gottseidank ohne noch
stärkere Stürme und laufen bei strahlendem Sonnenschein in den Beaglekanal und
die Bucht von Ushuaia ein.
Unsere
gepackten Koffer mußten wir schon am Vorabend in den Fluren bereitstellen. So
haben wir nur noch unsere Rucksäcke und können nach einem letzten
Verwöhnfrühstück eine kleine Sightseeingtour durch Ushuaia unternehmen, bevor
es zum Flieger nach Buenos Aires geht. Vorher noch großes Abschiednehmen von
liebgewonnenen dienstbaren Geistern und netten Mitreisenden, dann ist unsere
Abenteuerreise Antarktis vorbei. Vor uns liegen allerdings noch ein paar Tage
in Buenos Aires, die wir noch vor unserem Rückflug angehängt haben.























































































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