Mittwoch, 1. April 2015

Antarktische Halbinsel


Antarktische Halbinsel

Nachdem wir gestern noch ein Highlight geboten bekamen, wir durchkreuzten den Drygalski-Fjord mit spektakulärem Blick auf schneebedeckte Berge, hohe dunkle zerklüftete Steilwände und breite Gletscher, ging es auf Südkurs aus dem Südatlantik in die offene Scotia See. Die kleinen Eisbrocken sind inzwischen zu langen hohen Eisbergen angewachsen, wie von Hand ausgeschnittene lange Tafelberge. Das Meer wird etwas unruhiger und Kirsten besorgt mir vorsichtshalber ein paar Tabletten gegen die Seekrankheit von der Rezeption, aber sie bleiben gottseidank ungenutzt auf dem Nachtschrank liegen. Frühstück gibt’s erst spät, „easy going“ heute. Ein Vortrag am Nachmittag, sehr interessant über die zahlreichen Pinguinarten und ihr Leben und dann können wir die Brücke besichtigen. Dabei lernen wir: unser Schiff ist 108m lang, 15,60m breit, hat einen Tiefgang von 4,5m, ist in Finnland gebaut worden vor 25 Jahren und hat 2 Stabilisatoren, 2 Finnen an jeder Seite von 2m Auslegung. Bei vorbeiziehenden Eisschollen werden sie eingefahren.
Das Wetter bleibt ziemlich diesig, wir haben 0°C und achterlichen Wind der Stärke 7 – 8 Bft. Aber das Schiff liegt relativ ruhig, so daß sogar eine Kochvorführung im sogenannten Theater von unserer Küchenchefin Pia dort stattfindet. Sie bereitet ein leckeres Thai Chicken Curry vor und dazu kredenzt uns Weinkellner und –kenner Raj aus Indien einen passenden Riesling. Es ist auch ohne Landgang immer sehr spannend an Bord. Nachmittags sehen wir uns Shackletons Antarktisabenteuerreise an, eine mitreißende wahre Geschichte über den Überlebenskampf in dieser unwirtlichen Gegend, der über 400 Tage dauerte. Unglaublich, beeindruckend und bewegend diese Odyssee der 28 Männer und ihres Segelschiffes „Endurance“. Der Vortrag von Uli Erfurth über Wasser, Pinguine, Eis und Schnee und viele Meeresbewohner in der Tiefe des Ozeans später am Nachmittag ist auch wieder sehr lehrreich und fesselnd.
Der Wind frischt weiter auf, bis Windstärke 9 Bft.,  ganz schön heftig, und er hält sich auch den ganzen Tag bis zum nächsten Morgen.

Um 7 Uhr am Freitag, den 30. Januar, ankern wir in der Bucht Point Wild von Elephant Island. Sie gehört zu den Südlichen Shetland-Inseln und hier hat auch Ernest Shackleton seine Männer zurückgelassen, als er sich in einem 6m langen Beiboot mit weiteren 5 Männern seiner Crew nach dem 750sm entfernten South Georgia aufmachte, um Hilfe zu holen, nachdem die „Endurance“ vom Eis zerdrückt worden war. Die zurück gelassenen Männer wurden später von dem Dampfschiff Yelcho gerettet. Dem Kapitän der Yelcho wurde auf der Insel ein Denkmal gesetzt. Der Wind hat hier zwar keine Chance, aber der noch stehende Schwell sorgt für „tanzende“  Zodiacs, in die wir nach dem Frühstück für eine Bootstour zu den hier lebenden Zügelpinguinen jumpen müssen. Anlanden geht hier nicht, aber die quirligen Bewohner kommen zu uns, springen ums Schiff und ab und zu sieht auch der Kopf eines neugierigen Seebären aus dem Wasser. Wasser leider auch von oben, das erschwert doch sehr das Fotografieren der Gletscher und rauen Berge. 



Weiter geht’s nach dem Mittagessen Richtung Antarktische Halbinsel. Hier und da sieht man die Fontänen der Wale und auch schon mal Rücken und Flossen. Der Wind nimmt wieder auf 8 Bft. zu und die Sicht bleibt schlecht.


Aber es steht auch wieder ein interessanter Vortrag mit Sven an. Wie haben sich die Tiere dem Leben in Eis, Sturm und Kälte angepaßt? Mal sehen. Die Meister im Anpassen sind die Pinguine, nehmen wir mit und obendrein sind sie auch die niedlichsten Spezies mit ihrem Watschelgang und ihrem maßgeschneiderten Frack.
 
Für heute, Samstag, den 31. Januar ist ein Zodiac-Ausflug nach Brown Bluff auf der Antarktischen Halbinsel geplant mit Landgang und Gletscherspaziergang um 6.30 Uhr. Huh! Also früh zu Bett nach einem Absacker in der Bar. Der Wecker schrillt um 5.30 Uhr und ein Blick auf den Monitor zeigt Wind in Sturmstärke: um 100km/h. Das sind gute 10 Bft.
Windstärken bis 8 Bft. erschrecken uns nach den Erfahrungen der letzten Tage schon gar nicht mehr. Das wird wohl nix mit dem Ausflug an Land und kurz darauf kommt auch die Absage über den Bordlautsprecher. Also schnell wieder unter die warme Decke. Das nächste Angebot  in der Hope Bay, die Adelie-Pinguinkolonie vom Wasser aus zu betrachten, findet dann zumindest für uns nicht statt. Es sieht schon von vornherein nach einer ziemlich nassen Angelegenheit aus, obgleich die Sonne vom blauen Himmel strahlt. Der Wind ist in Böen so stark, daß es Kirsten sogar auf dem Oberdeck beim Fotografieren platt legt.
Wir fotografieren heute mal andere Objekte als Pinguin und Co. Die vorbeijagenden Wolken unter blauem Himmel sind sensationell und rundherum Gletscher! 





Nachdem alle Ausflügler dann naß aber heil zurück an Bord sind, wird der Anker gelichtet und weiter geht es zum nächsten Abenteuer.
Nur als wir morgens durch den malerischen Lemaire Kanal fahren, ist wieder Regen, Schnee und Nebel vertreten, nur keine Sonne oder zumindest klare Sicht zum Fotografieren der spektakulären Eisberge und bis zu 1000m hohen schneebedeckten Berge.  Ein paar Unentwegte, die sich trotzdem  an Deck begeben haben, sind wenigstens mit dem Anblick etlicher Walgruppen belohnt worden. Na gut, die werden wir auch noch zu sehen bekommen. Wenige Stunden später vor Peterman Island sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und wir wandern bei schönstem Sonnenschein auf den „Trails“ der Adelie- und Eselspinguine  über die Schneefelder. Ja, diese Zwerge haben richtige „Autobahnen“  bis auf die Hügel angelegt, die sie täglich zweimal rauf und zweimal runter bewältigen, um im Meer das Futter für sich und den ewig hungrigen Nachwuchs zu besorgen und um sich zu säubern.








Nach dem in den klobigen Gummistiefeln etwas mühsamen Aufstieg  auf einen der Hügel werden wir mit dem Blick auf eine Bucht mit Eisbergen in den herrlichsten Farben und Formen belohnt.

Die Adeliepinguine und die Eselspinguine, die sich gegenseitig die Steinchen für ihre Nester klauen, sind natürlich die beliebtesten Fotomotive.



Interessant ist dann auch noch der Besuch der ukrainischen Vernadsky-Station, die die Ukrainer vor ca. 20 Jahren den Engländern, die diese Station aufgeben wollten, für 1 Pfund abgekauft haben. War für beide Seiten ein gutes Geschäft, die Engländer mußten nicht das Abwracken bezahlen und die Ukrainer hatten eine fertige Station. Z.Zt. leben 12 Wissenschaftler hier und haben einen willkommenen Nebenerwerb mit selbstgemachten Holzarbeiten, Magneten, T-Shirts etc. Leider gibt es nicht den versprochenen selbstgemachten Wodka, weil der gerade etwas knapp geworden ist. 

 
 
 
 
 
 
So halten wir uns dann am Abend wieder an unsere erprobte Weinschorle, „Spriieetz“, wie sie von unseren Kellnern genannt wird. Dazu grillen wir uns auf dem Achterdeck ein leckeres Steak auf dem heißen Stein. Sehr beliebt, dieses Ereignis, wir mußten uns rechtzeitig anmelden, um an einem der 4 Tische einen Platz zu ergattern. Da sitzen wir nun in fröhlicher Runde, eingemummelt in warme Kleidung mit Mütze, Schal und Wolldecke und genießen dieses absolute Highlight.


Hier war jetzt unsere südlichste Station auf 65°14‘ Süd und 64°15‘15“ West, von nun an geht’s wieder grobe Richtung Nord. Anker auf zurück durch den Lemaire Kanal, vielleicht gibt’s jetzt noch ein paar gute Fotos. Nun ja, die Wale waren da, nur fotografieren lassen wollten sie sich nicht unbedingt. Ein paar Schnappschüsse haben wir aber dann doch geschafft.


Ich habe mir eine dicke Erkältung eingefangen, die hat auch die „Spezialmedizin“ unseres netten Barkeepers gestern Abend leider nicht im Keim ersticken können und ich verbrauche über Nacht den gesamten Vorrat unserer Tissues in der Kabine. So wage ich mich heute nicht auf den 90minütigen Zodiac-Ausflug in einer wunderschönen Bucht mit dem passenden Namen „Paradise Bay“ bei wenig Wind und glatter See.  Da muß Kirsten Fotos schießen und mich so teilhaben lassen.




 







Ich wandere warm eingepackt ums Deck und freue mich an den eindrucksvollen schneebedeckten Bergen rundherum und dem einen oder anderen Pinguin, der neugierig aus dem Wasser lugt. Noch zwei Ausflüge gibt es heute in „Neko Harbour“, einen mit Wanderung auf den Berg und einen kürzeren zu einer Pinguin-Kolonie. Nach Rückkehr von ihrer Bootstour erzählt Kirsten, unterwegs gab es Sekt und Schokolade von einem „Tender-Zodiac“. Netter Einfall!
Den nachmittäglichen Ausflug zu den Eselspinguinen habe ich dann mit einem Paket Tempo gut überstanden. Erstaunlich, wie schnell der große Vorrat davon schmilzt. Unser Butler bringt also zusätzlich noch eine große Packung Tissues. Abends bei unserem täglichen Meeting in der Oservation-Lounge kommt unser Biologe Uli gar nicht dazu, seinen Vortrag zu beenden. Um das Schiff herum tauchen Wale auf, gegen die hat er keine Chance. „Oh“ und „Ah“ und „hast Du DEN gesehen“! Überall gucken die Buckel aus dem Wasser und tauchen die Schwanzflossen elegant in die Fluten. Nur leider liegt der Fotoapparat in der Kabine! Vor dem Abendessen kommt die nächste Überraschung der Silversea-Crew: ein Polar-Bad für Mutige! Unter dem „Bravo“ und Applaus der nicht so Mutigen wagen sich wahrhaftig 10 Passagiere in Bikini und Badehose und zwei unserer Butler wie die Pinguine in ihrer Dienstkleidung, dem Frack,  gut angeleint in das eisige Polarmeer. Raus kommen sie alle dann aber schneller als sie reingesprungen sind und lassen sich gerne in die flauschigen Handtücher einwickeln.








Das Wetter wird schlechter, hat uns gestern Abend unsere  Expeditionsleiterin Kara mit der Windkarte von unserem Fahrtgebiet zurück nach Ushuaia gezeigt. So wird das gute Wetter heute auf Cuverville Island noch einmal für eine anstrengende Klettertour auf den schneebedeckten Berg „nur von fitten Passagieren“ genutzt, immerhin 40 zähle ich rote Silversea-Anoraks auf dem Pfad nach oben. Die restlichen – wie wir – nutzen wieder „das Bad“ in der Pinguinmenge.












Stundenlang kann man diese putzigen Tiere beobachten, wie sie von ihren Brutplätzen hoch auf dem Berg in ihren hoch ausgetrampelten Schnee-Hohlwegen zweimal am Tag runter zum Meer zum Säubern ihres Gefieders und zum Fressen und anschließend den glitschigen Weg wieder zurück watscheln. Ihre bergsteigerischen Qualitäten scheinen besser als die der einen oder anderen „Rotjacke“  heute. Eine muß von der Crew zurückgeführt werden, weil „sie“ nicht mehr auf den Berg, aber allein auch nicht mehr runterkommt.  Irgendwann sind dann alle heil zurück an Bord und weiter geht’s, jetzt zurück nach Ushuaia, wo wir am 20. Januar gestartet sind.

 
 



Nur ein Stopp ist geplant auf Deception Island, einem immer noch aktiven Berg vulkanischen Ursprungs. In der Bransfieldstraße merken wir den Wind nicht, der immerhin schon mit 8 Bft. unterwegs ist. Wir sind durch die Inselwelt der South Shetlands geschützt. So können wir uns warm eingepackt an Deck begeben, um die vielen, vielen Wale zu beobachten, die es zu unserer Freude hier wieder gibt. Die Einfahrt in den 180m tiefen Krater von Deception Island ist eng, nur etwa 500m breit und zudem liegt ein unsichtbarer Felsen irgendwo in der Mitte, aber unser erfahrener Kapitän bringt uns und sein Schiff ohne Schaden herein und auch wieder heraus.

Nur ein Stopp ist geplant auf Deception Island, einem immer noch aktiven Berg vulkanischen Ursprungs. In der Bransfieldstraße merken wir den Wind nicht, der immerhin schon mit 8 Bft. unterwegs ist. Wir sind durch die Inselwelt der South Shetlands geschützt. So können wir uns warm eingepackt an Deck begeben, um die vielen, vielen Wale zu beobachten, die es zu unserer Freude hier wieder gibt. Die Einfahrt in den 180m tiefen Krater von Deception Island ist eng, nur etwa 500m breit und zudem liegt ein unsichtbarer Felsen irgendwo in der Mitte, aber unser erfahrener Kapitän bringt uns und sein Schiff ohne Schaden herein und auch wieder heraus.

Nach dem Abstecher gibt unser Käptn Gas, im Westen steht eine Unwetterfront und der wollen wir davonlaufen. So bleibt es bei 2 Seetagen mit 8 Bft. fast gegenan, also nach unseren Erfahrungen hier unten nichts Schlimmes!!! Wie immer hängen allerdings vorsorglich die Spucktüten wie Schmuckfähnchen an den Handläufen der langen Schiffsflure. Man sieht nicht, daß sie weniger werden, aber die Zahl der Teilnehmer an den Mahlzeiten in der Messe nimmt auffällig ab.
Über die Drakestraße, die zum Südpolarmeer gehört, kommen wir dann gottseidank ohne noch stärkere Stürme und laufen bei strahlendem Sonnenschein in den Beaglekanal und die Bucht von Ushuaia ein.

Unsere gepackten Koffer mußten wir schon am Vorabend in den Fluren bereitstellen. So haben wir nur noch unsere Rucksäcke und können nach einem letzten Verwöhnfrühstück eine kleine Sightseeingtour durch Ushuaia unternehmen, bevor es zum Flieger nach Buenos Aires geht. Vorher noch großes Abschiednehmen von liebgewonnenen dienstbaren Geistern und netten Mitreisenden, dann ist unsere Abenteuerreise Antarktis vorbei. Vor uns liegen allerdings noch ein paar Tage in Buenos Aires, die wir noch vor unserem Rückflug angehängt haben.
 
 



 
 
 

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